Von Rates nach Portela de Tamel
Die Wanderung auf dem Jakobsweg ist nicht nur ein physisches Abenteuer, sondern auch eine Reise zu sich selbst. Auf einer Strecke, die von Rates über Pedra Furada nach Barcelos und schließlich nach Portela de Tamel führte, enthüllte sich mir die Schönheit und die Herausforderungen des Lebens – alles markiert durch die vertrauten gelben Pfeile.
Gestartet mit einem Plan für 25 Kilometer, stellte sich die Strecke als fast 30 Kilometer heraus. In jedem Schritt spürte ich die Freiheit, die der Jakobsweg verspricht, aber auch die physischen Einschränkungen meiner Füße. Ich entschied mich für meine Barfussschuhe, die mir auf dieser Tour treue Dienste leisteten. Nach 12 Kilometern, während ich über unebene Kopfsteinpflastersteine lief, stand ich kurz davor, in meine anderen Schuhe zu wechseln. Letztendlich genügte es, die Einlagen zu wechseln und ich fand wieder in meinen Rhythmus – ein kleiner Sieg im großen Spiel der Herausforderungen.
Die Route war durch die gelben Pfeile gut gekennzeichnet. Es war jedoch eine Lehre in Aufmerksamkeit und Achtsamkeit – ich übersah zwei oder drei der Wegweiser und musste kurz innehalten, um mich zu orientieren. In Pedra Furada gönnte ich mir eine wohlverdiente Pause in einem charmanten Café. Mit einem köstlichen Frühstück und frisch gebackenem Baguette fühlte ich mich erfrischt und bereit für die nächsten Etappen.
Die Wanderung nach Barcelos offenbarte von jedem Schritt an eine neue Facette der Natur und Kultur. Die Schönheit der Stadt ist unübersehbar – das glitzernde Eis in meiner Hand und die majestätische Kirche Jesús da Cruz de Barcelos zeugten von der Pracht des Ortes. Während ich das Eis genoss, schien es, als ob die Zeit stillstand und ich die Augenblicke intensiver lebte.

Die letzten Kilometer in Richtung Portela de Tamel waren jedoch nicht ohne Herausforderung. Die Straßen wurden steiler, und Schmerzen meldeten sich in meinem Rücken und meinen Hüften. In diesen Momenten wurde mir bewusst, dass jeder Schritt – jede Mühe und jeder Schmerz – ein integraler Bestandteil meiner Reise ist. Diese körperliche Anstrengung veranlasste mich, über die tiefere Bedeutung unserer Bestrebungen nachzudenken. Warum unterziehe ich mich dieser Mühe? Vielleicht ist die Antwort darauf erst am Ende meiner Reise zu finden, wenn ich die weiteren Etappen, die vor mir liegen, reflektieren kann.
Schließlich erreichte ich die Herberge und mein Körper, wenn auch erschöpft, war mir dankbar. Es ist oft so, dass wir durch Herausforderungen hindurch wachsen und stärker werden – Körper und Geist. Morgen steht die Wanderung nach Ponte de Lima an, eine Strecke von etwa 25 Kilometern. In jedem Schritt, den ich gehe, trage ich die Hoffnung auf Erkenntnis und die Freude am Unterwegssein mit mir. Der Jakobsweg ist nicht nur ein Ziel, sondern eine ständige Entdeckung – eine Einladung, das Leben in seiner vollen Tiefe zu erfahren.