Pacos – Valença – Tui – O Porriño
Der Tag begann mit einem kräftigenden Frühstück, das mir die nötige Energie für die bevorstehenden Kilometer schenkte. Heute war ich alleine unterwegs – ein bewusst gewählter Schritt, denn ich spürte, dass der Camino mir Zeit für mich selbst schenken wollte. Alleine gehen bedeutet, die Stimmen von außen leiser werden zu lassen, um die eigene innere Stimme klarer zu hören.
Der Weg von Pacos nach Valença führte mich durch sanfte Landschaften, kleine Dörfer und stille Wege. In Valença, der letzten portugiesischen Stadt vor der Grenze, beeindruckte mich besonders die mächtige Festungsanlage, deren alte Mauern noch heute von vergangenen Zeiten erzählen.
Der Übergang nach Spanien bei Tui war ein besonderes Highlight dieser Etappe: Über die Brücke über den Rio Miño wechselt nicht nur das Land, sondern auch das Gefühl – es war, als ob der Camino mir einen neuen Abschnitt meines inneren Weges eröffnete. Die Kathedrale von Tui, die über der Stadt thront, wirkte wie ein Symbol für Aufbruch und Ankommen zugleich.
Doch nicht nur die äußeren Eindrücke prägten den Tag. Das Wetter spiegelte meine Emotionen wider: morgens heiter, später wolkig und schließlich Regen. Der Camino zeigte mir einmal mehr, dass er wie das Leben selbst ist – ein ständiges Auf und Ab, ein Wechselspiel von Licht und Schatten.

Während der Schritte spürte ich, dass in mir etwas verborgen lag, von dem ich glaubte, es längst hinter mir gelassen zu haben. Alte Themen, längst abgeschlossen geglaubt, kamen ans Licht. Es war, als ob der Camino die Schleier des Unterbewusstseins lüftet, um Raum für Heilung zu schaffen. Ein Sprichwort sagt: „Der Weg gibt dir nicht das, was du suchst, sondern das, was du brauchst.“ Genau so habe ich es heute erlebt.
Mit tiefer Dankbarkeit ging ich weiter nach O Porriño, erfüllt von der Erkenntnis, dass nicht nur meine Füße, sondern auch mein Herz auf dieser Reise immer leichter werden.